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24.03.2016 15:58 Alter: 2 yrs
Rubrik: Pressemitteilungen
Von: Bärbel Mäkeler

Möbel fürs Leben aus Rautheim


Der Möbelhersteller Thonet ist vielen ein Begriff: Bugholzfabrikant seit 190 Jahren. Aber wussten Sie auch, dass in Rautheim eine Manufaktur ihren Sitz hat, die für Thonet alle mit Kuhfell bezogenen Möbel fertigt? Individuelles Mobiliar, Polsterungen, Messe- sowie Gastromöbel und Accessoires wie Taschen und Teppiche stammen von der Braunschweiger Manufaktur Kurth.

Die lichtdurchflutete Ausstellungshalle empfängt den Kunden mit einer Mischung aus stylischen und klassischen Möbeln, knallbunten Teppichen und Sitzhockern, Accessoires, an der Wand prangt ein riesiges Geweih auf grünem Lederrund.

Über einer mit gescheckten Fell bezogenen Le-Corbusier-Liege hängt Kunst von Daniel Folwatschni und prominent im Schaufenster steht ein altes, rostiges skurriles Fahrrad-Mobil mit Hunderten von Glöckchen vom gleichen Künstler. In der Mitte des Raumes eine dekorative Mies-van-der Rohe-Liege und ein hier angefertigter Sofa-Rohling im Bauhaus-Stil, dessen Bezug nebenan gerade in der Näherei angepasst wird.

Die Möbelmanufaktur beschäftigt sieben Angestellte mit Berufen, die heute nicht mehr unbedingt alltäglich sind: eine Schnittdirektrice, Schneiderinnen und Raumausstatter. Der Chef, Matthias Kurth, ist Betriebswirt mit bewegter Vergangenheit. Er verkaufte in den 1990er-Jahren auf Märkten selbst gemachte Gürtel, Lederhosen und Taschen. Dann tat er sich 1999 mit einer Kollegin zusammen und gründete eine Polsterei. Heute führt er den lederverarbeitenden Handwerksbetrieb zusammen mit seiner Frau – seit 2015 steht die 800 Quadratmeter große Industriehalle in guter Gesellschaft mit anderen Handwerksbetrieben am Erzberg in Rautheim.

Auf die Frage, wie er seinen Betrieb bezeichnen würde, gerät er etwas ins Grübeln. „Eigentlich sind wir eine Polsterei.“ Aber er macht auch Möbeldesign, was nicht ausbleibt, wenn man kundenindividuell zum Beispiel Sofas sowie Sitzmöbel entwirft und sie mit besonderen Stoffen, Ledern oder Fellen bezieht. Auch Messebau, Gastroausstattung und Accessoires aus Leder gehören zum Portfolio der Manufaktur. Und: Wer mit Stoffen und Ledern umgehen kann, führt auch Reparaturen durch.

In der Produktionshalle entdecke ich einen Bertoia-Drahtsessel, der eine neue gepolsterte Sitzauflage bekommt, daneben wartet ein Wohnmobil-Fahrersitz auf seinen passgenauen Lederbezug. Aber das ungewöhnlichste Objekt steht auf der Werkbank zur Sanierung bereit: Ein altes Holzpony erhält im Auftrag einer älteren Ehepaars ein neues Fell, einen puscheligen Schweif und einen nigelnagelneuen Ledersattel.

Doch damit nicht genug: Auch Lederteppiche, -wände, Fußbodenbeläge aus Leder sind im Angebot. Das Leder stammt aus dem Weserbergland, gegerbt nach deutschen Qualitätsstandards. Die Felle werden aus Norditalien importiert. Für Tierliebhaber sei noch angemerkt, dass Felle und Leder Abfallprodukte sind.

Wer ist bei diesen Aufträgen die Zielgruppe und sind solche Spezialanfertigungen nicht teuer, frage ich. Die Käufer sind Menschen, die „eine eigene Note haben, Klassiker lieben oder die ihre Wohnideen ganz individuell umgesetzt sehen wollen“, beschreibt Kurth seine Klientel. Und teuer? „Nein, wir verkaufen ja nicht an Einzelhändler, haben also kurze Wege zu unseren Endkunden. Außerdem sind die Stoffe Industrieprodukte, die oft um die Hälfte preiswerter sind als die von Stoffherstellern, die ihre Ware zu hohen Festpreisen an Polstereien verkaufen.“ Zudem wüssten designorientierte Käufer um die Langlebigkeit und die Wertigkeit seiner Produkte. Ein extra angefertigtes Sofa mit Leder bezogen ist dann auch schon ab 2.800 Euro zu haben und ist eine Anschaffung für Leben.